Gold

Promesse war ein junger Typ wie mein Dad, was man nicht so auf den ersten Blick erkennen konnte, denn er besaß maitre Gwunhos Körper(aus)maß.

Er schimpfte jetzt ein bisschen weiter rum, aber sein Geblubber war nur noch so pro forma, also um das Gesicht zu wahren, bevor er dann doch den langen, starken Ast griff, denn mein Dad ihm stoisch-genervt immer noch hinhielt, und sich so endlich befreien konnte.

Die Sonne knallte wie gehabt unbarmherzig vom Himmel und trocknete den Schlamm auf den Klamotten im Handumdrehen, so dass er eine dünne Kruste bildete, die bei der ersten Bewegung platzte und Promesse in einer feinen Staubwolke rundherum einhüllte, bevor sie langsam zu Boden sank. „Wasser könnte helfen“ versuchte mein Dad einen lahmen Scherz, aber der führte nur dazu, dass Promesse wieder mit seiner Tiradie anfangen wollte. Mit einer genervten Handbewegung gebot Blen ihm Schweigen.

„Wie heißt du, Mann?“ fragte Dad mit staubiger Stimme. „Promesse du Paradis“ krächzte Promesse zurück und spuckte seinerseits Staub. „Echt jetzt?“ fragte Dad überrascht, denn nach allem, was ihm in letzter Zeit widerfahren war, fühlte er sich gerade schwer verscheissert, wobei ihm nicht ganz klar war, ob vom Schicksal oder von Promesse.

„Echt“ ätzte Promesse, „ich werd ja wohl noch wissen, dass ich ich bin, oder?“ und war auf dem besten Weg, Blen erneut anzugehen. „Andererseits …“ murmelte er plötzlich niedergeschlagen und ließ ab von was auch immer er gerade vorgehabt hatte. Mit hängenden Armen stand er vor Dad. „Jetzt ist wirklich alles im Eimer und aus und vorbei“ seufzte Promesse. Neugierig betrachtete mein Dad den massigen Mann, der in geradezu rührender Resignation vor ihm stand und ins Leere starrte.

„Du glaubst, du bist am Nullpunkt. Schlimmer kann es nicht mehr kommen, ja?“ meinte Dad und konnte den Sarkasmus in seiner Stimme nicht verhindern. Promesses Reaktion erfolgte prompt mittels finsterer Miene und erhobenen Fäusten. „Schon gut, schon gut“ beschwichtigte Paps diesen offenbar cholerischen Menschen, „lass uns erstmal um deinen Ochsen kümmern, bon?“

„ … Schadensersatz, ich will Schadensersatz und zwar … und zwar für alles … hier … !“ keuchte Promesse aufgebracht, als sei ihm die ganze Sache mit dem Unfall und Blen gerade erst wieder in den Sinn gekommen. „Hab ich doch schon versucht, dir klarzumachen, Mensch! Ich hab nix“ entgegnete Dad „jedenfalls nicht so, wie du dir das vorstellst.“ Und Promesse so: „Aber du hast doch ein Auto? Oder ist das nicht dein Auto?“ „Nein, doch, das ist meins!“ sagte Dad genervt mit erhobener Stimme. „Na also genau!“ maulte Promesse zurück, als sei damit hinreichend klar geklärt, das jemand mit Ente einfach automatisch reich sein oder sowas, jedenfalls problemlos ihn entschädigen können müsste, nicht wahr. Womit er ja prinzipiell auch nicht unrecht hatte, aber eben nicht so, wie er sich das dachte, aber das kommt ja jetzt.

„Wah …?“ antwortete Dad konsterniert, „Mensch. Da ist doch kaum noch Sprit im Tank. Geld hab ich keins, Sachen auch nicht, kein Zuhause, nicht mal eine Zahnbürste, verstehst du mich.“

„Wah …? machte nun Promesse konsterniert, „warum verkaufst du deine Kiste dann nicht?“ Mein Vater guckte genervt vor sich hin. „Nein Mensch, das geht eben nicht. Ich hab noch einen weiten Weg vor-“ „-Hä?“ unterbrach ihn Promesse,  „wie denn ohne Benzin? Verticker deine Kiste, haste genug Geld für den Zug, oder?“

„Zug fahren?“ An diese Möglichkeit hatte Blen noch gar nicht gedacht …. hm … . Nein. Das war Verrat an maitre Gwunho. Das ging gar nicht. „Nein, das geht gar nicht. Ich kann den Wagen nicht verkaufen. Entweder es läuft so oder überhaupt nicht.“ sagte mein Vater voller Entschlossenheit, als verkünde er eine seit langem feststehende Agenda, dabei war ihm das gerade eben erst eingefallen.

Es machte trotzdem gehörig Eindruck auf Promesse, der ihn jetzt mit weit aufgerissenen Augen ansah. „Aah,“ machte er dazu, „jajaja, schon klar. Du bist durch einen heiligen Eid gebunden oder so!“ „Hä.“ machte Dad und betrachtete Promesse ziemlich irritiert mit weit hochgezogenen Augenbrauen. „Wie kommst du denn auf sowas?“

„Äh?“ zog Promesse seinerseits verwundert seine Augenbrauen hoch. „Du hast doch gerade herumgetönt, ein maitre sowieso und irgendwas … “ („ … ein maitre nageur … “ ergänzte mein Vater genervt) „ … meinetwegen ein maitre nageur zu sein. So Leute sind doch immer in einem höheren Auftrag unterwegs, oder etwa nicht.“

Verdammt, dachte Dad, muss doch Zufall sein oder hab ich hier einen weiteren Verwandten des Lieutenants vor mir? Weiß der was und wenn ja was?? „Was für Leute??“ fragte mein Vater scharf. Promesse wackelte mit dem Kopf. „Na Mann, Meister-Leute eben … wo man nicht so genau weiß, um was für eine Meisterei es sich handelt, nimms mir nicht krumm …“ brubbelte er und blickte etwas betreten zu Boden. Dad atmete erleichtert auf. „Ahja, du hältst mich für einen Scharlatan, richtig? Wenn du willst, beweise ich dir das Gegenteil.“ Promesse blickte meinen Vater resigniert an. „Ja klar, was solls, oder? Also: was ist ein maitre nageur und wie kann mir so jemand helfen?“

„Ich kann dich nach Hause bringen, Promesse“ sagte Paps einen Ton zu feierlich. „Wie jetzt, so zack auf der Stelle mit dem Wind vielleicht?“ fragte Promesse genervt zurück. „Nein, wir spannen deinen Ochsen vor meine Ente und kutschen erst mal los. Und während der Fahrt erzählst du mir in Ruhe da über … dein(?) Mädchen …“ (hier nickte Promesse heftig) „… und dem Gold …“ (hier Promesse sofort wieder misstrauisch), „… wobei mich nicht der Wert deines Goldes interessiert …“ (Promesse mit ungläubigen Stirngerunzle), „ … sondern welche Rolle es in deiner Geschichte spielt.“

Promesse dachte nach, wobei sich die Falten auf seiner Stirn weiter vertieften. Dann hellte sich seine Miene mit einem Schlag auf. „Bon, so machen wirs. Und wenn mir irgendwas an dir schräg vorkommt, hau ich dir einfach eins auf die Mütze und werf dich unterwegs raus.“ Dann lachte er dröhnend, legte Dad seinen Arm mit dem Umfang eines Oberschenkels um die Schulter und quetschte ihn freundschaftlich ein bisschen. „Komm, lass uns den Ochsen holen, Mann. Wie heißt du denn eigentlich?“ „Na, Blen Fitz, Mensch“ keuchte Dad, nachdem er wieder Luft bekam.

„Und du kannst auch was gegen meine Schwiegermutter unternehmen, maitre Blen?“ fragte Promesse, während sie den Ochsen vor die Ente spannten, „sie hat mindestens einen bösen Fluch gegen mich aussprechen lassen, da bin ich mir mal ganz sicher.“ „Ist sie denn überhaupt schon deine Schwiegermutter?“ fragte Blen zurück, als er die Windschutzscheibe wegklappte. Promesse brummte verärgert. „Neee, ist sie natürlich nicht. Also noch nicht, ja? Du weißt schon, was ich meine.“

Dann setzte er sich neben Dad auf den Beifahrersitz, nahm die Zügel in die Hand, schnalzte mit der Zunge, der Ochse wandte den Kopf, um Blen und Promesse vorwurfsvoll und verdrossen zu mustern, schüttelte denselben in provokanter Zeitlupe. Dad löste die Handbremse. Und dann bewegten sich Ochse und Ente langsam vorwärts. Es geht weiter, dachte Blen, schleppend, aber es geht irgendwie weiter. Mal sehen, wohin und wie lange noch. „Also Promesse, erzähle. Was ist das für eine Nummer mit dir und deiner Braut.“ Promesse starrte nach vorn. „Tja, das ist so, also dazu musst du wissen …“

Promesse der Goldgräber

… kurz gesagt, Promesse war dem Ruf des Goldes erlegen, so sahs aus, da gibt’s nix zu beschönigen oder so. Aber natürlich war auch seine Geschichte ein bisschen komplexer und gründete sich nicht auf pure Habgier, wie das so üblich ist bei Habenichtsen. Hier im Südwesten des Landes war die Erde goldhaltig, dass wussten die Leute schon seit Generationen. Für das Bauernvolk, welches dort lebte, haftete am glänzenden Metall etwas bösartiges, weswegen sie nicht danach suchten und es auch nicht abbauten, wenn sie zufällig bei der Feldarbeit darauf stießen. Sie waren der Meinung, das Geld, was man mit diesem Gold macht, geht so schnell, wie das Gold kommt, das man beim Graben findet.

Was sie nicht davon abhielt, trotzdem ihr Geschäft zu machen und hier kamen und kommen dann Leute wie Promesse ins Spiel. Ohne Arbeit in ihrem Heimatdorf, mit wenig Bildung und unbändiger Energie versehen, schlussendlich aus rein existentieller Not machten sie sich während der Trockenzeit auf in diese Gegenden und pachten Acker von den Einheimischen.

Das geschieht in der Regel und wenn man es auf den Punkt bringt, einfach auf gut Glück, also welchen Acker man wo pachtet; aber jeder einzelne kann ganz detailliert erläutern, warum ausgerechnet dieses Stück staubiger Agrafläche missbraucht werden soll und kein anderes,  und oft spielten da Orakel-Vorhersagen eine entscheidende Rolle. In Promesses Fall war es die handfeste Aussage des Bauern gewesen, er würde beim Pflügen immer wieder auf glänzende Steine stoßen, um kurzerhand mit einem Freund sämtliche Ersparnisse in diesen Acker zu stecken.

Also peng, Promesse war tatsächlich fündig geworden, und zwar weil er sich auskannte. Er hatte sich umgehört und informiert, wusste, wie goldhaltiges Gestein aussah, also quarzig, khaki oder rot und der rote war der beste Stein mit dem meisten Gold. Und sie fanden jede Menge rotes Gestein, es war eine regelrechte Bonanza. Sein Freund und er machten gutes Gold und die Arbeiter, die sie eingestellt hatten, machten gutes Geld.

Dad fing an, langsam durchzusehen. „Die Leute waschen das Gold nicht aus dem Fluss, richtig?“ fragte er Promesse. „Nein, das läuft völlig anders ab. Wir waschen das Gold aus der Erde, ja?“ antwortete der. Dad nickte bedächtig. „Darum habe ich auch keine Leute Gold waschen sehen, als ich über den Volta fuhr.“ Promesse musterte Paps misstrauisch von der Seite.

„Wann bist du denn über den Volta gefahren? Dein Nummernschild sagt, du kommst aus Elfenbeinküste, aus Abidjan!?“ Dad räusperte sich. War Promesse nun eine weitere Wegmarke auf seinem Pfad in die Untiefen der Paranoia oder nicht, im Moment war er auf den Ochsen angewiesen, und der gehörte nun mal Promesse. „Na, also ich … da war Abidjan und dann … da war doch dieser Fluss, der ist die Grenze …“ murmelte er dann verunsichert.  „Ja na klar war da ein Fluss, Mann aber das war der Comoe, klar? So richtig Peilung hast du nicht, wie?“ rief Promesse und klatschte sich mit der Hand vor die Stirn. Das stimmte in vielerlei Richtung, fand Blen und kicherte genervt. Da hatte der Lieutenant aus Cote d‘ Ivoire ihn ja nochmal so richtig schön verladen, als er auf Blens Frage zum wohin ihm nur „Volta“ vor die Füße gekotzt hatte. War doch so, oder? „Und so einer will mir helfen, ja? Vielleicht hau dir jetzt schon eins auf die Rübe …“

„Ach lass den Quatsch und erzähl gefälligst weiter“ blaffte Blen enerviert, während er verdutzt bemerkte, wie Genervtheit ihm Souveränität verschaffte. Sollte Promesse wirklich handgreiflich werden, rechnete mein Vater sich nur eine geringe, auf Zufall basierende Chance aus, er betrachtete die Sache realistisch.

Jedenfalls erzählte Promesse bereitwillig weiter: er und sein Freund der Schmied waren gerade dabei, richtig abzusahnen, sprach Promesse, da begann die Regenzeit. In der Regenzeit ist es einfach selbstmörderisch, ins Goldloch zu kriechen, denn so ein Ding ist, auch wenn bisweilen mehr als zwanzig Meter tief, genau das und nichts weiter – ein Loch. Darum warnten sie die Männer einen Acker weiter vor dem kommenden Unwetter.

Aber die hatten keinen Bonanza, die hatten nur ein richtig tiefes Loch und einen langen Graben bisher und so stiegen 37 Mann hinunter aus schierer Not. Keiner kam lebend mehr heraus, denn als der Regen losbrach, war das Loch ratzfatz vollgelaufen und mit Schlamm zugepfropft, und alle darin erstickten oder ersoffen elendig. Alarmiert von dem Unglück schloss die Polizei alle illegalen „Minen“ in der Gegend fürs erste und die Regierung setzte sogar eine Untersuchung an.

Aber diese Untersuchung wurde nie durchgeführt, nicht wahr.  Nachdem das Wasser aus dem Loch abgepumpt war, wurden die Leichen geborgen und sofort begraben, das wars, erzählte Promesse, was gabs da auch groß zu untersuchen; Fakten und Ursachen waren doch jedem bekannt.

„Weißt du, keiner steigt da gerne runter, es ist eine miese und beschissene Schufterei“, sagte Promesse und seine Augen waren ganz leer dabei, „und du kannst jederzeit der Nächste sein. Selbst in der knochentrockensten Trockenzeit kann so ein Loch einfach einstürzen und begräbt dich, da kommt jede Hilfe zu spät. … Aber es ist besser, als gar nichts zu haben und es bringt mehr als Gelegenheitsjobs in den großen Städten.“

Und Promesse hatte es noch ein bisschen mehr eingebracht und hier beginnt sein kleines persönliches Drama. Er selbst stammte aus dem Osten des Landes, aus einem Dorf nahe der Grenze zu Togo. Von dort war er fortgegangen, weil das von seinen Eltern geerbte Land zuviel fürs Sterben und zuwenig fürs Leben abwarf, wie er eine Kindheit lang erleben musste. Er ging in die Hauptstadt Ouagadougou verdiente sich sein Geld als Tagelöhner, hielt die Ohren offen und die Kohlen zusammen. So kam er an seinen Kompagnon, der Schmied von Beruf war und auf die Idee, mal die Goldschürferei auszuprobieren. Er war mit Überlegung und Mut an dieses Vorhaben herangegangen und wurde für seine Tüchtigkeit entlohnt, wie es sich gehört, fand er. Darum opferte er den Erdgeistern doppelt soviel, weil ja auch im Schnitt doppelt soviel Gold je Tonne geförderten Gesteins sein Ertrag war.

Das Rumopfern tat er in der Regel vor einem entsprechenden Altar in Karfiguela, einem kleinen Kaff, jetzt nicht in der Nähe von seinem Camp, aber nahe genug. Dort kaufte er auf dem Markt dann gleich auch die Lebensmittel, also Hirse, Maniok, Tomaten und Kurkuma für die Goldgräber-Suppe und dabei, natürlich, traf er eine junge Frau, die traf ihn wie ein Hammer oder sowas, jedenfalls mitten ins Herz.

Und so hatte der liebe Promesse nix eiligeres zu tun bei Beginn der Regenzeit, als seiner Holden den Hof zu machen und dazu mietete er erst und dann baute auch gleich eine kleine Hütte in diesem Kaff. Die ganze Sache ließ sich gut an, Promesse konnte das Herz seiner geliebten Marktfrauen-Tochter im Sturm erobern, aber die Marktfrauenmutter, was dann die Oma sei, erwies sich als uneinnehmbares Bollwerk. Die hielt ihn, kurz gesagt, für einen dahergelaufenen Glücksritter, der nix kann und bald auch nichts mehr haben wird, denn was mit dem Goldgeld auf sich hat, wisse jeder hier und fertig. Darüber konnte Promesse erstmal nur lachen, aber das blieb ihm dann auch bald im Halse stecken und das kam so:

Promesse hatte seinen Anteil an der Ausbeute aus der Mine, das war die Hälfte der Hälfte von allem, in drei gleiche Teile geteilt. Einen Teil hatte er zu Geld gemacht, einen weiteren beiseite gelegt und aus dem dritten sollte ihm sein Freund der Schmied ein Geschmeide für Promesses Angebetete schmieden, so prachtvoll, dass die Oma auf ewig verstumme.

Der Schmied-Freund-Mann erledigte diese Arbeit wie verabredet, auch wenn es etwas länger dauerte. Dann war das Geschmeide fertig und es sah genauso prachtvoll aus wie geplant – nur irgendwie nicht richtig. Es wirkte auf Promesse … groß, Tatsache, und wenn er eines gelernt hatte, dann, dass Gold nicht einfach so von sich aus mehr wird. Aber das Gewicht stimmte und messen ließen sich all die kunstvollen Schnörkel schlecht. Nicht, dass es Promesse nicht versucht hätte, es hatte nur zu nix geführt, weil er sich früher oder später verzählte oder ein falsches Maß nahm und damit die ganze Messerei zunichte machte. Und warum sollte ihn sein Kompagnon betrügen, gab doch keinen Grund, oder?

Nur woher hatte dann der Schmied all das viele Geld, mit dem er fleißig Gold von anderen Goldgräbern gekauft hatte und immer noch kaufte – Promesse hatte es durchgerechnet, es war weit mehr, als alle seine drei Teile zusammen wert waren. „Ja, im Gold steckte der Teufel, Bruder, das kannst du mir glauben, und da reden wir noch gar nicht darüber, dass mein ehemaliger Kompagnon offenbar auch ein Auge auf die Marktfrauentochter geworfen hat“, erklärte Promesse bedrückt.

Eine weitere Seite an der Angelegenheit war, dass er natürlich nicht seinen Mund hatte halten können und gegenüber der Großmutter großspurige Ankündigungen gemacht hatte, da war er sich ja seiner Sache auch noch sicher. Doch als Promesse liefern sollte, was er so vollmundig versprochen, da zagte er rum und all seine Siegesgewissheit war verschwunden, und das reichte, damit die alte Frau den Schmuck in all seiner Herrlichkeit nur mit spitzen Fingern berührte, aber vor allem sofort und ohne Zögern sprach: ‚Mit diesem Ding, da stimmt was nicht und sei es auch oder weil es aus purem Golde sei,  ins Haus kommt mir das nicht!‘

Damit war die Sache nun offiziell gedschingst, wenn ihr versteht, was Promesse damit meint, und es musste erstmal erwiesen werden, das der Schmuck auch das ist, was er sein sollte, nämlich ein wertvolles Geschenk aus purem Gold und Promesse hatte keine Ahnung, wie er das anstellen sollte. Natürlich könnte er das Geschmeide einschmelzen zu lassen, aber das wiederum würde einer Kapitulation vor der Großmutter gleichgekommen.

Eine Idee von ihm war, einfach seine geschlossene Mine wieder aufzumachen und nach neuem Gold zu schürfen, die Regenzeit war ja schließlich vorbei. Also hatte er sich auf den Weg gemacht, sein Goldloch wieder in Augenschein zu nehmen, nur um zu entdecken, dass es zwischenzeitlich eingestürzt war, er also aufwandsmäßig wieder bei Null anfangen müsste. Dabei war der Schacht extra mit jeder Menge Holz stabilisiert worden, um genau sowas zu verhindern, und nach dem Unglück mit den 37 Männern hatte er geradezu exzessiv den Erdgeistern geopfert … also musste doch jemand ziemlich mächtigen Schwarzzauber gegen ihn betrieben haben, sonst wäre das ja nicht passiert, oder?

Trotzdem hatte Promesse sich die Pacht des Ackers wieder gesichert, die natürlich höher als beim letzten Mal ausfiel. Ja, und dann, während er auf dem Weg zurück von dort gerade darüber nachgrübelte, ob nicht doch was an dem Gold-Fluch dran wäre oder ob nicht doch eher ein Fluch der fiesen Großmutter seiner (hoffentlich) Zukünftigen dahinterstecke, rummste es auf einmal wie zur Bestätigung völlig unvermittelt von hinten und schon flog er von seinem Ochsenkarren, der sich gleich darauf in Einzelteile auflöste, was hält man denn davon. Das war also Promesses Geschichte, und jetzt sag mir mal bitte, wie du mir helfen kannst, fragte mit bitterer Miene Promesse meinen Dad.

„Du hast deinen Anteil in genau drei gleiche Teile geteilt?“ fragte Blen zurück, was Promesse mit einem knappen Nicken quittierte. Dad lächelte still in sich hinein. „Ja, ich kann dir helfen, mein Freund. Ist das da hinten etwa schon Karfiguela?“ Wieder nickte Promesse knapp. „Na dann … lass uns zu deinem Haus fahren und dann zeige ich dir wie, einverstanden?“ sprach Dad weiter, Promesse schnalzte mit der Zunge und der Ochse tat tatsächlich so, als würde er ein Stück schneller werden, so kurz vorm Ziel.

Fortsetzung folgt

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