Wohin die Reise führt

Man kann sein Leben einfach auch damit verbringen, in den Himmel zu starren und Wolken zählen, fand mein Dad, die Hände hinterm Kopf verschränkt und in das wolkenlose Blau über ihm starrend, als er in dem Maquis am Straßenrand am Stadtrand von Yamousoukro saß und verdaute; nicht nur Essen und Tee, so alles ingesamt. Hätte er geraucht, es wäre kein unpassender Moment für das Anstecken einer dicken Zigarre gewesen, oder einer gewichtig aussehenden Pfeife, um dann den in- und exhalierten Dampf seinen zum Himmel gerichteten Blicken sinnend hinterherzuschicken; allerdings war mein Vater zeit seines Lebens Nichtraucher, ganz im Gegensatz zu mir.

Also lauschte er stattdessen dem auf voller Lautstärke plärrenden Radio der Maquis-Wirtin – Maquis wurden (und werden) fast ausschließlich von Frauen geführt. Falls sich jemand fragen sollte, wtf ist eigentlich ein „Maquis“, den Begriff kenn‘ ich nur im Zusammenhang mit Startrek, als französischen Adelsitel, weil ich mich einen Scheiß mit französischer Rechtschreibung auskenne, oder als so richtiger französisch-Crack weiß ich sogar, so wird eine spezielle Art von Unterholz bezeichnet, konmt nur im Mittelmeerraum vor und ist so undurchdringlich, man brennt es lieber ab, als sich mit der Machete da durchzuhauen – dem kann ich antworten, immerhin das mit dem Französisch ist schon mal nicht falsch.

Der Rest der Begriffs-Klärung bleibt der eignen Spekulation überlassen, warum im frankophonen Afrika ursprünglich kleinste Imbisse, aufgemacht und betrieben vom eignen Wohnzimmer aus durchs Fenster auf die Strasse, dort eine Plane gegen die Sonne gespannt und darunter sind dann ein paar alte Stühle und ein Tisch gestellt, wobei es heute eher wesentlich mehr immer gleiche Plastikstühle sind, und nur noch selten ein einziger Tisch – warum nun eine illegale Schankwirtschaft im westlichen Afrika Maquis genannt wird. Jetzt, also für meinen Dad jetzt, für uns hier natürlich damals, in der ersten Zeit nach der Kolonialherrschaft, änderte sich dieser Status der Maquisen von illegal nach legal; also die Wirtsfrauen bekamen staatliche Konzessionen, die sie im einzelnen berechtigte, ein bestehendes Maquis als kleine Kneipe Schrägstrich Restaurant Schrägstrich Bar Schrägstrich meinetwegen auch all das auf einmal, zu führen.

Wozu so eine Konzession auf gar keinen Fall berechtigt, und das hat sich bis heute nicht geändert, ist das Anbieten von sogenannten Bushmeat-Meals. Bushmeat-Meal bezeichnet genau das, was man sich hier im Kontext der Geschiche so spontan darunter vorstellt, nämlich in Urwald und Savanne gewildertes Wild. Dazu zählen neben putzigen Agotis-Nagern also auch Flughunde, Fledermäuse (??? Dad?), Antilopen, Löwen, Affen wie z.B. Schimpansen … wenigstens Letzteres ist sicher für einen in der westlichen Welt sozialisierten & humanoiden Omnivoren bißchen mehr als nur einfach tricky und macht verständlich, warum Wilderei und Bushmeat streng verboten waren und sind. In Cote d’Ivoire, in Ghana, Togo, Benin usw. gibt es Gesetze, die sowas aus noch vielerlei anderen guten Gründen unter Strafe stellen, wodurch jedoch dieses Nebeneinander von illegalen und legalen Maquis entsteht.

Wer mit Bushmeat auf dem Menü erwischt wird, verliert ganz klar seine Maquis-Konzession und kann zumachen bzw. wird zugemacht, und zwar ohne Zögern und Bedauern. Dann muss Strafe und/oder Bestechung gezahlt werden, dabei ist die Not ja eigentlich groß, ist ja klar, niemand macht sein Wohnzimmer grundlos zur Kneipe. Also macht man woanders, genaugenommen in der neuen Behausung, ein neues Maquis ohne Lizenz auf; und da die meiste Kohle bei Bushmeat rumkommt, bietet man in seinem illegalen Maquis illegales Bushmeat an, was dann die Maquis sind, die man nur findet und besuchen kann, wenn man einen Freund hat, der ein Freund der Wirtin ist und dich der Wirtin vorstellen muss. Und die Wirtin entscheidet dann nach ihren in der Regel komplett subjektiven Kriterien, ob du passt oder nicht. Passt du nicht, dein Pech, und du bist in diesem speziellen Maquis auch später nicht willkommen.

Aber gerade in so einem Maquis saß mein Vater natürlich nicht, dieweil er den Blick immer noch Richtung wolkenlosen Himmel gerichtet hatte, sein Nacken wurde langsam steif davon. Die Nachmittagssonne brannte wie immer, diesmal auf die helle Plane, die von Hauswand bis Straßenrand gespannt war, die Luft darunter wurde bißchen stickig von der Hitze, der Tee im Topf wurde lauwarm, und irgendwie kam mein Vater nicht vom Fleck. Denn auch wenn er, um handlungsfähig zu bleiben, die Ereignisse der vergangenen Nacht nicht zu erklären versuchte, also jedenfalls nicht im Moment, stand er gerade vor dem Problem, seine so erhaltenen Handlungsfähigkeit in Aktion umzusetzen, und dieses Unvermögen lag nicht nur an der stickigen Luft, dem satten Magen und dem gedankenverlorenen Blick in den Himmel.

Dem Impuls, verängstigt zu Mami und Papi zurückzurennen in die naive Sicherheit der Kindheit, welchem er seit seiner Flucht aus Abidjan gefolgt war, wie er jetzt beim in-den-Himmel-starren erkennen musste, dieser Impuls wurde gerade heftig ausgebremst von der Wirklichkeit. Mein Vater wusste auch vorher, das Dekemhare in Eritrea sich nicht sozusagen um-die-Ecke befindet, wenn man in Yamoussokro in einem Maquis sitzt. Doch konfrontiert mit der Tatsache, die Strecke jetzt überwinden zu müssen, bekamen Tatsache und Strecke eine unvorstellbare Dimension und diese unvorstellbare Dimension schraubte ihn fest an den Stuhl, auf dem er gerade saß. Mein Dad versuchte, sich mit bekannten Dingen gedanklich einen Weg zu eröffnen, aber da war weit und breit kein Schiff, auf dem er sich eine Passage hätte buchen können – Yamousoukro liegt ja ziemlich zentral im Landesinneren von Cote d’Ivoire, und selbst nach Präsident Houphout-Boignys surrealen Bau-Exzessen zwanzig Jahre später hatte es noch keinen Hafen.

Nach Abidjan zurück, fragte er leise in den Himmel hinein, dort konnte er gewiss ein Schifftsicket lösen, die Ente als Fracht aufgeben und nach Eritrea oder zumindest nach Ostafrika zurückdampfen. Was meinem Vater allerdings geradewegs in Erinnerung brachte, wie er überhaupt in Abidjan, Westafrika, gelandet war, und nicht wie geplant in Westeuropa: Schiffsreisen können also tückisch sein. Ausserdem waren in Abidjan die Banditen, die ihm nach dem Leben trachteten, und jeder einzelne von ihnen war ein schwerwiegender Grund, diese Stadt trotz ihrer Größe und Möglichkeiten nicht in die weitere Reiseplanung einzubeziehen, das war, als ihm der Nacken richtig steif wurde. Kurz darauf erlangte er eine weiteren Erkenntnis, nämlich das er von Reisen nicht die geringste Ahnung hatte, was mit der Art und Weise zusammenhing, wie er nach Abidjan gelangt war, denn da war er zwar lange gefahren, aber keinen Milimeter gereist, fand er jetzt. Jetzt lagen vor ihm mehr als 4500 Kilometer einmal quer über den Kontinent voll fremder Leute, Sprachen, politischer Situationen, geografischen Landschaften ezetera ezetera, von denen er praktisch nichts wusste. Er hatte keinen Schimmer, wie man so eine Reise vorbereitete, was man überhaupt brauchte, was unter allen Umständen und was nicht. Und dann war da noch letztendlich der unumstößliche Aspekt, dass er von nun an allein auf sich gestellt war. Trotzdem oder deswegen hoffte er, gleich würde aus irgendeinem wundersamen Grund maitre Gwunho vor seinem Tisch auftauchen, aber dem war leider nicht so, da konnte er noch so lange in den Himmel starren. Nun, die Hoffnung stirbt zuletzt, und es dauerte seine Zeit, bis sie mehr oder weniger vom einsetzenden Nackenschmerz dahingerafft wurde. 

Als mein Dad wegen der nun unerträglichen Nackensteife den Blick von himmel- auf normalhoch senkte, blickte er der Wirtin direkt in die Augen, die anstelle des so sehnlich herbeigehofften maitre Gwunhos schweigend vor seinem Tisch stand. Die Frau musterte Blen sehr gründlich, und mein Dad griff schon zu seinem Geldbeutel, als ihm einfiel, dass er gleich bei der Bestellung bezahlt hatte und nichts schuldig geblieben war. Weil er nicht wusste, ob und was er sagen könnte in dieser Situation, und weil er ja so grundsätzlich gerade nicht so klar sah, schaute er sie freundlich lächelnd an und harrte der Dinge, die da kommen würden. Dabei fiel ihm auf, dass die Wirtin keine im klassischen Sinn schöne Frau war, aber eine unerhörte Ausstrahlung besaß, die sie geheimnisvoll und gleichzeitig anmutig erscheinen ließ, was ihn vollends aus dem Konzept brachte, aber mal ein schöner Punkt zwecks Fokusierung war. Als mein Vater fand, dass das gegenseitige Betrachten aus seiner Perspektive irgendwie peinlich zu werden drohte, brach er das Schweigen, indem er ein kaltes Bier bestellte und dafür ein paar Münzen auf den Tisch warf, wozu er die ihm bekannten Bierpreise aus dem Hotel Ivoire in Abidjan als Preisparameter benutzte.

Soviele centimes reichten im damaligen Yamousoukro aber offenbar für zwei Flaschen Bier direkt aus dem Eisschrank, denn die Wirtin brachte zwei, was meinen Dad veranlasste, die junge Frau spontan auf ein kaltes Bier einzuladen, was diese nach kurzem Zögern wegen der Form wohl auch annahm, schließlich war mein Dad der einzige Gast. Sie prosteten sich zu, mein Vater nahm einen großen Schluck, schon allein um seine Verlegenheit zu überspielen, um sich dann bei der leise gestellten Frage der Wirtin an diesem Schluck heftig zu verschlucken, weil er so verdutzt war. Etwas von dem kalten Bier lief ihm sogar aus der Nase. Gehörst du zu den Nookariga, hatte die Frau nämlich gefragt, was mein Dad wahrheitsgemäß verneinen musste, indem er heftig hustend den Kopf schüttelte, denn die Nookariga bilden eine hochangesehene Geheimgesellschaft von Heilern, und für Blen wäre es Hochstapelei gleichkommen, sich für einen solchen auszugeben. Aber du wirkst wie einer, sprach die Frau weiter, was meinem Vater ganz sicher schmeichelte; nach einer Weile bekam er wenigstens wieder genug Luft, um die Wirtin in ihrer Fehlannahme zu korrigieren, und so sprach er zum ersten Mal die Worte: Je suis un maitre nageur, und es klang durchaus feierlich. 

Jetzt guckte die Frau verdutzt, denn sowas hatte sie noch nie gehört, wie sie meinem Vater erklärte, alldieweil doch die Papiere vor ihm (also Paps Das Buch-Buch) auf dem Tisch den Eindruck erweckten, als sei er ein gelehrte Mann, wenn auch ein ganz schön junger, was sie wiederum hatte zögern lassen, ihn anzusprechen, denn so junge Männer gäbe es ihres Wissens nach nicht unter den Nookariga, sagte sie faktisch in einem Atemzug. Darauf wusste Blen wieder nichts zu sagen, also schwieg er wieder freundlich lächelnd. Aber ein maitre sei er ja also schon irgendwie, stellte die Frau fest, könnte er da nicht vielleicht einen Blick auf ihre kleine Tochter werfen? Blen wußte immer noch nicht, was die Frau da jetzt von ihm erwartete, folgte ihr aber in ihre Hütte, die aus einem einzigen Raum bestand. Auf der linken Seite vom niedrigen Eingang aus gesehen befanden sich oben erwähntes Fenster, eine Kochmaschine daneben, befeuert mit Holz, jede Menge Kochuntensilien, in einem Regal daneben jede Menge Geschirr, daneben der Eisschrank mit dem Eisklotz im tiefsten Fach ganz unten, über alles war ein Seil querdrüber von einer Seite zur anderen gespannt, daran hingen jede Menge Kräuter, Gewürze, Früchte und Fleisch. Dies war offenkundig der Arbeitsbereich, während die rechte Seite als Wohn- und Schlafzimmer diente, erkennbar am Kleiderschrank, einer alten Kommode, einem Spiegel an der Wand und dem Bett. Das Bett befand sich genau gegenüber dem Fenster auf der anderen Seite der Hütte und darin die Tochter der Frau, der ging es schlecht.

Dem kleinen Mädchen ging es richtig richtig schlecht. Sie fror trotz der Hitze und der Decken, in die es sich krümmte, die Wangen waren eingefallen, die Nase stach spitz aus dem Gesicht hervor, die Augen glänzten fiebrig und der Atem ging stoßweise. Als mein Vater dem Kind sachte in die Haut des freiliegenden Oberarms kniff, kam nicht die geringste Reaktion auf diese Berührung, und die so erzeugte Hautfalte blieb stehen … es stand wirklich sehr schlimm um die Tochter der Wirtin, ganz klar, die Angelegenheit war auf dem besten Wege, tödlich zu werden. Erst hatte sie Bauschschmerzen, dann Durchfall wie Wasser, dann lief das getrunkene Wasser sofort wieder aus ihr raus, dann war sie zu schwach zum Aufstehen, sagte die Frau wieder ganz leise, und nun mit Tränen in den Augen. Seit drei Tagen liegt sie so, isst nix, trinkt nix, saugt nicht mal mehr an dem mit Wasser befeuchteten Tuch, das ich ihr in den ausgetrockneten Mund gesteckt hatte. Ich habe Angst, dass sie sterben wird. Aber ich kann mir keine Medizin leisten. Ich habe alles in die Eröffnung meines Maquis gesteckt, auch Schulden gemacht, nachdem mein Mann plötzlich bei einem Verkehrsunfall ums Leben kam. Er war Lastwagenfahrer, weißt du, maitre, ein guter Mann mit einer guten Arbeit, aber nun schon seit einem Jahr ein toter Mann. Meine Tochter hilft mir jeden Tag, ohne sie könnte ich gar kein Maquis führen … sie wäscht das Geschirr, wenn sie von der Schule kommt, und bringt die Speisen und Getränke den Gästen, die ich zubereitet habe. Jeden Morgen läuft sie und holt das Wasser von der Pumpe, die liegt nicht um die Ecke, das kann ich dir sagen, maitre, denn wir brauchen das gute Wasser, nicht das schmutzige von der Pumpe am Ende der Straße. Ihr Lehrer schimpft mit ihr, weil sie deswegen oft zu spät zum Unterricht kommt, aber was soll ich machen, maitre, von dem schmutzigen Wasser wird man krank, das können wir hier nicht verwenden … .

Da stand also mein Vater, eigentümlich berührt, weil ihn jemand „maitre“ nannte, wo er sich doch so gar nicht maitre-mäßig vorkam, hörte der Frau zu, betrachtete das Kind und sagte, nachdem die Frau geendet hatte, ja, das Wasser, sagte Blen, das ist so eine Sache. Mehr sagte er nicht dazu, denn was sollte er noch reden, wo doch auf der Hand lag, dass die Tochter der Wirtin, hin- und hergerissen zwischen Mutter und Lehrer, sicher einmal nicht zur Pumpe mit dem guten Wasser gelaufen war. Oder vielleicht war sie es doch, und sie hatte sich am Schmelzwasser des Eisschranks infiziert, denn das Eis dafür musste nicht aus „gutem Wasser“ sein … jedenfalls würde das Mädchen sterben ohne Hilfe. Und mein Dad konnte helfen. 

Also räusperte er sich, wie er es oft bei maitre Gwunho gehört hatte in solchen Situationen. Hast du Natronlauge, fragte er dann die Frau. Sie nickte, Natronlauge braucht man zum Reinigen, natürlich gab es Natronlauge in einem Maquis. Zitronen auch, zwei? Natürlich hatte sie auch ein paar Zitronen, schließlich sind wir hier in einem Maquis …, gut, sagte mein Vater, lass uns beginnen. Nimm einen Liter von deinem guten Wasser, sagte mein Vater, fülle es in einen sauberen Topf, stell ihn auf den Herd und lass das Wasser einmal aufkochen. Nimm es dann vom Feuer und füge einen Teelöffel Salz, einen großen Esslöffel Zucker, einen Teelöffel glattgestrichen von der weißen Holzasche deiner Feuerstelle hinzu, und mische dies alles gründlich mit dem guten Wasser. Während die Frau tat, wie Blen es sagte, mischte mein Dad wiederum in einem Topf vorsichtig Zitronenfleisch, aber vor allem den Saft davon mit einem kleinen Schuß der Natronlauge solange, bis er auf diese Weise einen halben Teelöffel einer ihn zufriedenstellende Ingredienz zusammengerührt hatte. Als er fand, sie beide hätten jetzt genug gerührt, fügte er seine Ingredienz dem Trunk aus gutem Wasser im Topf der Frau hinzu und verquirlte alles noch einmal gründlich.

Gehe du deinem Maquis-Geschäft nach, sagte mein Vater, ich kümmere mich um deine Tochter derweil. Sie muss jetzt dieses Gebräu hier Tropfen für Tropfen, und, wenn alles richtig läuft und ich nicht falsch liege, dann bald Schluck für Schluck trinken. Wenn sie alles getrunken hat, müssen wir die Prozedur noch ein- oder zweimal wiederholen, aber dann sollte sie wieder auf die Beine kommen. Musst du nicht noch die Ahnen anrufen, wegen ihrem Beistand? fragte die Wirtin. Das mache ich schon noch, tu du deine Arbeit und ich tue meine, entgegnete Paps leise der Frau, was souveräner rüberkam als er sich fühlte. Dann setzte er sich auf den Rand des Bettes, brachte den Kopf der Tochter in die richtige Position und machte sich ans Werk, ohne ihre Mutter weiter zu beachten.

Die Wirtin beobachtete dafür Blen, wie er vorsichtig einen Löffel Gebräu dem Kind einflößte und hätte wahrscheinlich die ganze Zeit so dagestanden, wenn nicht ein nächster Gast sich am Fenster ihres Maquis mit einer Bestellung bemerkbar gemacht hätte. 

Es dauerte den ganzen restlichen Tag und die darauffolgende Nacht, bis das Mädchen den einen Liter getrunken hatte, und mein Vater wich dabei nicht von der Seite, ausser als er selbst pinkeln gehen mußte. Dann ließ er einen weiteren Topf Gebräu zubereiten, da war das Mädchen schon wieder bei Bewußtsein, aber in einen tiefen Schlaf gefallen. Nach einem weiteren Tagen ging es ihr so gut, dass sie wieder essen und trinken konnte, und Blen ihre steifen Muskeln und aus denen die Verkrampfungen sachte herausmassierte, und nach einer Woche war die Tochter der Wirtin wieder gesund.

Spätestens zu diesem Zeitpunkt hatte es sich in der Straße am Stadtrand von Yamousoukro herumgesprochen, da wär einer, der hat die Tochter der Maquis-Wirtin vor der Cholera gerettet, ein maitre nageur aus Abidjan, was ist denn ein maitre nageur(?), na ein ganz junger Kerl und ein bisschen seltsamer Kauz übrigens, der sich mit Wasser auskennt und sowas, einen Trank von Wasser übrigens hat er für die Kleine der Wirtin gemacht, aha, naja, übrigens, die Wirtin verkauft den jetzt für kleines Geld in ihrem Maquis, hast wohl probiert, naja klar, und(?), es hilft, das glaubt man nicht. Bei verrenkten Muskeln und gezerrten Sehnen, wenn der Rücken schmerzt, oder der Kopf, oder wenn der Darm verstopft ist, da legt er die Hände auf, und dann knetet er das Fleisch an dieser Stelle, als wär es ein Teig oder klopft es schnell doch sacht, als wärs ein zartes Steak, oder er kombiniert beides und mehr, und danach sind die Schmerzen fort, wirklich ein seltsamer Kauz, sag ich doch, tatsächlich, hm. Und er nimmt wirklich nichts? Nee, der schreibt dafür alles auf, was für Leiden, Gebrechen und Zipperleins man so hat, und was er dagegen tut … ; also so redeten die Leute bald über meinen Vater im ganzen Viertel.

Das Maquis der Wirtin brummte durch die Anwesenheit meines Dads richtig gut und sie konnte ein paar Tische und Stühle dazukaufen, mehr Gäste, mehr Kohle, mehr Gerede. Ach ja, die Wirtin, scheint ja mittlerweile bisschen mehr im Spiel zu sein als nur Dankbarkeit für alles, was dieser maitre nageur angerichtet hat seit seinem plötzlichen Auftauchen hier, auch so redeten die Leute bald, ja und(?), passt doch gut, ich gönn’s ihr, wo doch ihr erster Mann sich zu den Ahnen aufgemacht hat von jetzt auf gleich, und wer in der Umgebung kann schon behaupten, sowas wie einen maitre nageur zu haben(?), na nicht mal die in Abidjan(!), ja wer weiß, dann lass doch mal gucken, was unser maitre und seine Wirtin so machen, wohnt der denn jetzt da(?), hahaha klaro oder was hast du gedacht. Na, ein kühles Bier beim Gucken und darüber Tratschen kann nicht schaden, hab ich gedacht, ist da überhaupt noch ein Platz frei … .

So verging schnell ein Monat, dann ein zweiter und ein dritter und so weiter, und mein Dad hatte die Ente, die jetzt seine war, schon längst hinter dem Haus der Wirtin unter einer Plane geschützt abgestellt. Er selbst fragte sich mittlerweile, ob er überhaupt weiterfahren musste. Oder ob er nicht eventuell schon angekommen sei.

Fortstetzung folgt.

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