So, Geschichte, …

So. Da also, in Abidjan und schon anfangs der 1960iger Jahre sowie auf beschriebene Weise, taucht sie also in dieser Geschichte auf: die Kolanuss, die zum Amulett wird, was dann viel, viel später auf geradezu mythisch-mystische Weise hilft, Berlin vor einer umfassenden Weihnachts-Katastrophe zu bewahren, was kein Mensch bemerkte oder in so richtigen Zusammenhang brachte, außer Kain Mensch natürlich und einige wenige Eingeweihte, soweit nicht schon tot zu diesem Zeitpunkt – was aber ganz klar Natur der Situation war, und dies nun wieder ist nicht verwunderlich, jedoch schon die erstaunliche Kraft, die dieses Amulett da viel viel später in Berlin freisetzen würde. Ich selbst übrigens war ziemlich überrascht davon, aber Doc Noslo hats damals als erster geschnallt, nicht ich, obwohl ich der Bademeister bin. Ernest Noslo ist schon ein schlauer Hund, darauf könnt ihr einen lassen. Jaa, und dann hat mir maitre D.G. persönlich die Meinung gegeigt, mein lieber Schwan, war der in Fahrt …

So war das. Wäre ja kein richtiges Amulett, wenn es damit nicht irgendwie mystisch-mythisch zugegangen wäre und zwar ziemlich spektakulär, als es zum Einsatz kam; also das ganze Drumherum, sage ich mal. Die Entdeckung war tatsächlich ganz unspektakulär und kein Ziel oder Ergebnis eines opfer- und erkenntnisreichen Initiations-Weges, wie man es wohl hätte erwarten können von so einem wichtigen Gegenstand, aber sorry: Märchen denk ich mir ja hier nicht aus. Es fiel meinem Dad eines Tages einfach in die Hand, erst, als er es fand und dann, als der maitre ihm es wiedergab, also als es fertig getrocknet, dem Hammerschlag widerstand, ein echtes Amulett mit Loch und Schnurr war, um es um den Hals zu binden.

Und nein, ich stelle hier oder an anderer Stelle jetzt nicht die Vermutung in den Raum, ob nicht deswegen einmal mehr der maitre Gwunho dahinterstecken müsste (also weil Blen diese spezielle Kolanuss fand). Nein, Fakt ist, je mehr man konsumiert, umso mehr braucht und verbraucht man und umso höher wird die Wahrscheinlichkeit, dass eine Deformation beim konsumierten Materials zutage tritt, was man da in Massen sich reinknallt oder so. So Launen der Natur treten häufiger auf als man denken sollte, die kann niemand im Voraus auf den Punkt kalkulieren … wie etwa zum Beispiel das Auftreten eines Turmspringers. Ja, naja. Nur die Pythagoräer haben sowas gemacht. Ja, diese Pythagoräervon denen hab ich hier noch nie gesprochen, wie? … Tja, na gut. Irgendwie sympathisch durchgeknallt, und dabei hochgefährlich. Also so siehts aus bei denen:

#04

… die Pythagoräer haben versucht, den Zufall im Voraus zu berechnen und ihn dann zu manipulieren, Geheimbund elendiger. Doc Noslo war einer von ihnen. Er hat mir gezeigt, wie unglaublich viel man tatsächlich ausrechnen kann, knifflig ist nur die Auflösung; je detailierter, umso unschärfer blablabla – die Pythagoräer haben trotzdem Algorythmen entwickelt, da träumt die Börse von, und wahrscheinlich das Böse auch, und es hat sie nicht vorm Untergang bewahrt. Sogar den hatten sie ausgerechnet, und Doc Noslo ist auf seine verdrehte Weise insgeheim stolz drauf, das weiß ich genau. Die Sache mit der Rechnerei war bei den Pythagoräern Tradition, der alles verbindende Glaube. Der Satz des Pythagoras stammt vom Gründer höchstselbst, und seine Leute glaubten, ich zitier mal aus Wikipedia:„ die gesamte erkennbare Welt sei eine auf der Basis bestimmter Zahlen und Zahlenverhältnisse aufgebaute, prinzipiell harmonisch gestaltete Einheit. Diese Gesetzmäßigkeit bestimmt alle Bereiche der Wirklichkeit gleichermaßen. (…) Ihr [der Pythagoräer] Ziel war es, die unterschiedlichen und gegensätzlichen Kräfte durch Ausgewogenheit zu einem harmonischen Einklang zu bringen. (…) Das, was in Unordnung geraten war, wollten sie in die natürliche Ordnung zurückbringen.“ … Das stimmt tatsächlich. Was für ein Haufen Weltverbesserer, oder? So um die zweieinhalb Jahrtausende haben sie die Geschicke der ihnen bekannten Welt beeinflusst, und tun es heute noch auf gewisse Weise, Doc Noslo ist ja nach wie vor am Start. Er hat nur die Seiten gewechselt und seine Methoden mitgebracht. Genaugenommen hat er nicht mal die Seiten gewechselt, Ernest tut konsequent weiter, was er auch schon vorher tat. Nur halt mit einem anderen Team. Und was taten die Pythagoräer all die viele, viele Zeit, die ganzen zweieinhalbtausend Jahre?

Sie taten sich auf jeden Fall nicht verstecken, von wegen Geheim-Organisation, darauf besteht der Herr Doktor Noslo. Meinetwegen, aber ihr Trick war es, die Strukturen so groß, weit und lose anzulegen, dass niemand (Uneingeweihtes) sie erkennen konnte. Und ihre große Kunst war es dann, nicht den Überblick zu verlieren über dieses lose, aber feste Netz, ganz klar. In den ersten Jahrhunderten ihres Bestehens, also nach Gründung der Schule (Schule, nicht Geheimbund, Geheimbund findet Mr. Noslo diffamierend, ok …), also nach Gründung dieser Schule konnten sie lange Zeit völlig offen handeln. Ich meine, sie hatten auch damals schon keinen Button mit „Pythagoräer“ an der Toga und sie hinterließen keine Bekenner-Briefe, das steht mal fest, was den Blick in die Vergangenheit erschwert, will man bisschen Licht auf das konkrete Tun dieser Gestalten werfen – ist doch ziemlich mysteriös für eine ganz ungeheime Schule. Da wäre zum Beispiel die Sache mit Alexander dem Großen: geht sein früher Tod nun auf das Konto der Pythagoräer, wie Doc Noslo behauptet, oder war das die Gesellschaft der Schatten? Dabei behauptet Ernest jedoch auch, die Gesellschaft der Schatten war nur eine militante Ausgründung ehemaliger Pythagoräer, die sich nach der konstantinischen Wende in den Himalaja verkrochen, um von dort die Menschen im Namen von Harmonie und Ausgleich zu terrorisieren … wie das endete, kann man sich in den entsprechenden Batman-Filmen ansehen. Die konstantinische Wende, als Konstantin I das Christentum zur einzigen und alleinige Staatsreligion erhob, endete jedenfalls damit, dass all diese Schatten-Gesellschaften und Geheim-Schulen von der Bildfläche verschwinden mussten, wollten sie nicht wegen Häresie und Ketzertum drankommen, so lief das damals. Wohl nicht allzuwenige zogen sich eine Kutte über, wurden Mönch oder Nonne, und nutzen die Gegebenheiten. Pythagoräer standen in vorderster Front, wenn es darum ging, Mitbrüder oder -schwestern loszuschicken zwecks Klosterneugründungen in unerkundetes Babarenland. Solchermaßen bekamen sie dann auch sogleich Siegfried auf den Radar, ihr wisst, wen ich meine. Netzwerke zum Daten-Erfassen und Daten-Sammeln waren das, um daraus Statistiken zu frickeln, mit denen sie ihre Berechnungen durchführten, was wiederum ihr Handeln bestimmte und in Siegfrieds Fall war leicht kalkulierbar, wer der gesuchte Antagonist sein mußte (Hagen von Tronje, das alte Einauge), wer die Manipulatoren (Brun- und Krimhild), damit Hagen tut, was er zu tun hatte, nämlich die Anomalie Siegfried in ihrer weltlichen Existenz auszulöschen. Gelernt haben sie an diesem Fall, dass so ein Arrangement auch unbedingt die gegenseitige Auslöschung von Anta- und Agonist beinhalten sollte, furchtbar dann das folgende Gemetzel beim alten Etzel. Aber Hagen musste weg, einfach so wäre er sicher nicht gestorben, dieser Typ mit seiner gleichzeitig klar ersichtlichen und doch unentwirrbaren Verbindung zu Odin, das alte Einauge. Eine Menge Menschen …

… ja, eine ganze Menge Menschen ließen ihr Leben an diesen 2 Tagen an Etzels Hof, und darunter waren nicht die Schlechtesten, da lief wirklich blutiger Scheiß ab, findet auch Doc Noslo. Man hätte es eleganter lösen können, aber die damaligen Pythagoräer waren eben nicht so weit, sagt er und schläft deswegen kein bisschen schlechter. Dabei wollten sie ja gerade dies mit ihrem Tun verhindern, diese desaströsen Auswirkungen auf das Sein und die Entwicklung der normalen Menschheit, wenn Über-Figuren auf unserer kleinen Erden-Bühne auftauchen, alles durcheinanderbringen und vor allem eine Menge Schaden verursachen, einzig und allein durch Probleme, die es ohne sie nicht geben würde, das muss ja wohl mal gesagt werden! Also das ist es ganz genau: wenn irgendwie möglich, so wollten die Pythagoräer solche, sage ich mal „Siegfried-Anomalien“ vorausberechnen, es konnte auch eine „Hagen-Anomalie“ sein, völlig wurscht, um dann sozusagen den Blick um 180 Grad wenden, und den Antagonisten ausfindig zu machen, rein rechnerisch natürlich und nach Wahrscheinlichkeiten gewichtet. Und dann galt es, Agonist und Antagonist so geräuschlos wie möglich zusammenzuführen, damit sie sich noch geräuschloser gegenseitig anihilieren, und so jeden Schaden von der Menschheit abzuhalten im Sinne der Harmonie und des Gleichgewichts … jedenfalls schwebte denen das wohl so vor. Aber ist natürlich sowas von Idealfall, dass man davon ausgehen kann, so liefs kein einziges Mal in der Realität; kommt noch dazu, dass sie so ab dem Mittelalter immer an mehreren Sachen gleichzeitig dran waren. Noslo hat da ein paar Berichte auf Lager, da schlackern einem die Ohren, was in den Jahrhunderten so abging und diese Ereignisse tauchen nirgends in der bekannten Geschicht auf. Aber würde zu weit führen, soll er sie doch selbst aufschreiben, ich bin hier bestimmt nicht der Archivar der Pythagoräer, oder was. Sie sind ohne mit der Wimper zu zucken über Leichen gegangen, wenn sie glaubten, ihre Zahlen würden ihnen das befehlen. Sie waren unerbittlich beim Ausführen ihrer Mission(en). Sie waren unmenschlich, weil sie sich mit unmenschlichen Dingen beschäftigten, sagt Noslo, aber wer hatte sie denn dazu legitimiert, fragte ich zurück, was für eine lahme Ausrede. Sie hätten es ja versucht, versuchte der Doc mir zu erklären, ganz am Anfang, mit Herakles, diese Halbgott-Anomalie, und ihn für die Menschheit nutzbar zu machen. Man ließ ihn störende Ungeheuer beseitigen, Ställe ausmisten, Kriege führen und so, aber ehrlich Leute, diese Story habe ich Ernest nicht abgekauft. Herakles wandelte wesentlich früher durch die Welt als Pythagoras. Wer soll denn da bitteschön am Werk gewesen sein? … Präpythagoräer, platzte Doc Noslo raus, und lachte sich halb tot. Keine Ahnung, was daran witzig sein und was man ihm nun glauben soll. Superhirne wollten sie sein …

… Superhirnis waren sie, diese Möchte-gern-Beinflusser-und-Gleichgewicht-Bewahrer, hatten weder mich noch meinen Dad noch m. D.G. „auf dem Radar“, wie sich Dottore Noslo auszudrücken pflegt, hach. Das zwanzigste Jahrhundert war schwierig, komplexer und viel komplizierter als alle vorangegangenen, sagt Ernest, auf jedem Kontinent war irgendwie die Hölle los, nur in der Antarktis waren nur Pinguine. Bis sie die Computer-Technologie entwickelt hatten, waren sie einfach überfordert von den Datenmengen und allgemeinen Entwicklungs-Geschwindigkeit, es passierte zuviel überall zur gleichen Zeit, oho(!), also den Pythagoräern haben wir die Forcierung der Halbleiter-Elektronik zu verdanken, na dankeschön der Herr Doktor, aber vielleicht stimmt das zu Abwechslung sogar mal.

Jedenfalls hat keines ihrer schlauen Elektrohirne eine Koinzidenz zwischen einem maitre nageur und seinem Schüler in Abidjan in Afrika und dem hinterm eisernen Vorhang in der DDR in Europa verschwundenen Turmspringer herstellen können, also dem damaligen Turmspringer, damals 1960 rum, und vielleicht war das auch ein Glück für meinen Vater, schon klar. So konnte er jedenfalls unbehelligt von irgendwelchen Machenschaften der Pythagoräer erleben, wie eine afrikanische Kolonie unabhängig wird, die Leute redeten ja über sowas am Hotelpool genauso wie in den Tavernen, wo er seine Heil- und Massage-Künste ausführte, oder auf dem Kräutermarkt. Mein Dad hatte zu solchen Dingen lange keine Meinung, es war, wie es war und es kommt, wie es kommt und dann muss man weitersehen, so kommts halt. Das war ein gutes Stück vom Fatalismus seines Ziehvaters in Dekemhare, den dieser aus seinem Krieg mitgebracht hatte, was Blen da übernommen hatte. In der Mitte Afrikas, im Kongo brodelte es, ich sag nur Lumumba, in Algerien herrschte schlimmer Krieg, und in Abidjan war man sich nicht so richtig einig, ob man nun wirklich unabhängig werden wollte, das konnte mein Dad alles in der Zeitung lesen, und die Leute erzählten es ihm. Aber was er dazu sagte, weiß ich nicht, es hat bisher nie eine Rolle gespielt, da war er so bißchen asperger, wenn ihr versteht, was ich meine. Doch muss er seine Schlüsse gezogen haben, denn wie anders sonst hätte er ein Jahrzehnt später in einem der Befreiungskriege in Eritrea sein Leben lassen können. 1960 in Abidjan beschloss er jedenfalls solange bei maitre Gwunho zu bleiben, bis der das Kolanuss-Amulett sozusagen für amulettreif befand, gleichgültig ob, wann und wie die Cote d‘ Ivoire unabhängig werden würde oder andere revolutionäre Ereignisse Afrika erschüttern täten. So Geschichte war eher nicht Paps Ding, also so realpolitische. Freund leidet wie Feind, wie soll man denn da unterscheiden? sind seine Worte dazu, Harmonie und Gleichgewicht tragen bei, Leiden zu mindern. … Ok, Dad.

Fortsetzung folgt.

 

 

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